Gemeinsam gegen die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei

Solidarität heißt dayanışma

Auf taz.gazete gibt es ab Donnerstag Berichte zur Türkei. Auf türkisch und deutsch – um kritische Stimmen zu stärken, die kaum noch präsent sind.

TAZ.GAZETE TEAM, 2017-01-18

Liebe Leser*innen,

die aktuellen Entwicklungen in der Türkei sind schnelllebig, besorgniserregend, folgenreich, widersprüchlich, verwirrend, dramatisch, aufwühlend, traurig, ärgerlich, unübersichtlich… Vor allem aber sind sie eins: wichtig. Für uns, das taz.gazete-Team, genauso wie für Sie, liebe Leser*innen. Das zeigten Ihre zahlreichen Zuschriften, als unser Projekt bekanntgegeben wurde. Wir erhielten Danksagungen und Kritiken, Themenvorschläge und Vorwürfe, noch bevor wir online gegangen sind.

Jetzt ist es soweit. Ab Donnerstag werden Sie, dank der Förderung der taz Panter Stiftung, auf www.gazete.taz.de täglich Berichte zum aktuellen Geschehen in der Türkei finden. Interviews, Reportagen, Meinungsstücke, Satire von Journalist*innen, die aus der Türkei berichten, sowie von Journalist*innen, die sich an anderen Orten der Welt mit den Auswirkungen der aktuellen Zustände in der Türkei auf die türkischsprachige Diaspora auseinandersetzen.

Mit vielen Stimmen gegen den Einheitsbrei

Dass wir am 19.1.2017 mit taz.gazete online gehen, ist kein Zufall. Heute jährt sich zum zehnten Mal der Todestag von Hrant Dink – einem mutigen Journalisten, der aufgrund seiner Aussagen auf offener Straße erschossen wurde. Hrant Dink kämpfte um die öffentliche Aufarbeitung der armenischen Sache – und er kämpfte für die freie Meinungsäußerung. Das wurde ihm zum Verhängnis, am 19.1.2007.

Zehn Jahre später steht es leider immer noch denkbar schlecht um die freie Presse in der Türkei. Fast 150 Journalist*innen sitzen derzeit in Haft, kritische Medien stehen unter enormem Druck oder werden direkt ausgeschaltet. Die Meinungshoheit im Land haben die so genannten „Poolmedien“, die der Regierung nahe stehen und dementsprechend auf Regierungslinie berichten.

Es ist nicht so, dass es in der Türkei keine oppositionelle Presse mehr gibt – das zu behaupten, wäre ein großes Unrecht gegen unsere unzähligen Kolleg*innen, die Tag für Tag ihre Freiheit und ihr Leben riskieren, um zu recherchieren, an Fakten zu kommen, mit Zeugen zu sprechen – ob im Westen oder im Osten des Landes.

Gründliche Geschichten statt Ticker

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, diese Stimmen zu stärken, die es inzwischen so schwer haben, sich Gehör zu verschaffen. Und uns ist wichtig, vom täglichen Kampf der Minderheiten zu berichten, vom feministischen Widerstand, von der Situation der LGBTIQ*-Bürger*innen, und von der Entmachtung der demokratisch gewählten, prokurdischen Abgeordneten und Bürgermeister*innen.

taz.gazete wird keine Nachrichten in Echtzeit liefern. Wir werden keinen Newsticker haben, der bedeutende und tragische Ereignisse in wenigen Worten schnell zusammenfasst. Wir wollen gründliche Geschichten, ausgeruhte Analysen bringen, die einen Überblick bieten, in einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, einen Überblick zu behalten.

taz.gazete ist auch ein solidarisches Projekt, das sich für die Meinungsvielfalt und die Pressefreiheit ausspricht. Wir solidarisieren uns mit unseren Kolleg*innen in der Türkei, und laden sie dazu ein, auf unserer Plattform ihre Beobachtungen zu teilen, ihre Recherchen zu publizieren, aber auch, um von ihren Arbeitsbedingungen zu berichten.

Denn es ist wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, welchen Preis Journalist*innen überall auf der Welt zahlen, um uns täglich mit Nachrichten und Geschichten zu versorgen. In der Türkei ist er in diesen Tagen eindeutig zu hoch.

Fatma Aydemir, Ali Çelikkan, Canset İçpınar, Elisabeth Kimmerle, Ebru Taşdemir

TAZ.GAZETE TEAM, 2017-01-18
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