Angehörige und Medienvertreter warten vor dem Gefängnis im Stadtteil Bakirköy

Meşale Tolu ist frei

Die in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin Meşale Tolu wurde am Mittag freigelassen. Seitdem überschlugen sich Gerüchte über eine erneute Festnahme oder eine mögliche Abschiebung. Nun ist sie tatsächlich auf freiem Fuß.

TAZ. GAZETE, 2017-12-18

Die deutsche Staatsbürgerin Meşale Tolu, die seit dem 6. Mai in Untersuchungshaft ist, wurde um am Montag um 13 Uhr freigelassen. Seitdem gingen die Nachrichten über ihren Verbleib wild ducheinander.

Sie wurde zunächst ins Bakirköy-Gefängnis zurückgebracht, um ihre Sachen zu holen. Die Verwandten, die Anwälte und der deutsche Botschafter Martin Erdmann warteten vor dem Gefängnis auf sie. Ihnen wurde gesagt, dass Tolu hier rauskommen würde und sie sie umarmen könnten, sie aber noch nicht freigelassen werden könne, weil sie noch zu einer anderen Behörde gebracht werden müsse, um eine Unterschrift zu leisten.

Gegen 17 Uhr wurde sie laut Augenzeugen in einem Zivilfahrzeug von Polizisten der Anti-Terror-Abteilung aus dem Gefängnis gefahren. Der Vater sagte anschließend: „Sie haben uns angelogen. Offenbar wird sie zur Polizeistation Vatan in Fatih gebracht.“

Vor dem Gefängnis sagte man den Angehörigen, dass Meşale Tolu zur Ausländerbehörde in Kumkapi gebracht worden sei. Daraufhin fuhren die Angehörigen mit den Anwälten dorthin, fanden sie dort aber nicht vor.

Schließlich fanden die Anwälte heraus, dass sie zur Polizeistation Vatan im Istanbuler Stadtteil Fatih gebracht wurde. Wegen dieser Nachricht, waren Angehörige und Medien alarmiert und glaubten, dass es sich um eine erneute Festnahme handeln könnte. Dafür gibt es aber bisher keinerlei Bestätigung. Die Anwälte können lediglich bestätigen, dass sie sie dort gesehen haben, aber keine Auskunft darüber bekommen, warum sie dort ist.

In Fatih äußerte sich Tolus Anwältin Gülhan Kaya gegenüber der Nachrichtenagentur ETHA, für die Tolu bis zu ihrer Festnahme arbeitete: „Eigentlich müsste sie freigelassen werden. Aber die Polizei versucht, Tolu willkürlich auszuweisen. In der Polizeistation findet gerade eine Sitzung statt, in der über das Urteil diskutiert wird. Meşale geht es gut. Sie weiß, dass sie aus politischen Gründen verhaftet war, sie ist nicht erstaunt über das Geschehen. Sie wartet darauf, endlich ihre Familie zu treffen.“

Gegen 22 Uhr Ortszeit kam Meşale Tolu endlich frei.

TAZ. GAZETE, 2017-12-18
ZURÜCK
MEHR VOM AUTOR
Unterstützen Sie taz.gazete und unabhängigen Journalismus im Netz! Sie können für dieses Projekt spenden.